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... in der Nordpfalz daheim. ..

r. Stock

Die Höfe des Stolzenberger Amtes: Weidelbach

Von den Höfen des Stolzenberger Amtes soll im Nachstehenden die Rede sein. Diese haben zum Teil ein recht hohes Alter. Wenn trotzdem keiner von ihnen im Laufe der Zeit sich zu einem Dorf entwickelte, so mag das seinen Grund darin haben, dass ihre Lage dazu nicht besonders geeignet war und in nächster Nähe seit Alters her Dörfer bestanden. Sie stehen aber alle ohne Ausnahme heute noch in Blüte, weshalb weiteren Kreisen daran gelegen sein dürfte, etwas aus ihrer Geschichte zu erfahren. Sämtliche Höfe liegen abseits vom Alsenztal und höher als dieses, vier davon, Schmalfelder-, Bremricher, Stolzenberger- und Hoferhof in ziemlicher Höhe, während die Dörfer alle im Tal liegen, so dass in den Ur­kunden öfter kurzweg vom Stolzenberger Tal die Rede ist. Alle Dörfer, mit Ausnahme von Menzweiler, und Höfe haben der Zeiten Flucht überdauert.

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Der einzige auf dem linken Ufer der Alsenz gelegene Hof soll uns zuerst beschäftigen. Es ist der Weidelbacherhof. Die älteste Nachricht über denselben findet sich in der Beschreibung des Stolzenberger Amtes, die Herr Dr. Fabricius in Band 36 der Mitteilungen des histori­schen Vereins der Pfalz auf S. 35/36 veröffentlicht hat. Die Burg Stolzenberg, heißt es dort, war Reichslehen im Besitze der Raugrafen. Die erste Beziehung zur Grafschaft Veldenz trat dadurch ein, dass Raugraf Konrad dem Grafen von Veldenz eine Rente von 4o Pfd. Heller für ein geliehenes Kapital auf sein Tal am Stolzenberg bewies (1336), was Raugraf Georg von der Stolzenburg zu halten versprach (1337); im gleichen Jahre stellte Raugraf Konrad dem Grafen von Veldenz die Höfe zu Weidelbach und Menzweiler zum Unterpfande.

Der Hof gehörte demnach mit seiner Gemarkung zum Stolzenberger Amt. Er ist dem Stahl­berg, von dem ein Teil den Namen Rosswald führt, nördlich vorgelagert. In unmittelbarer Nähe westlich davon zieht auf dem Bergrücken die vom Neubau herabkommende Römer­straße vorbei, welche den von Mannweiler nach Schiersfeld führenden Verbindungsweg kreuzt, dann über den Hockenberg und Galgenberg nach Alsenz hinuntergeht. Es verband diese Straße Kaiserslautern, Kreuznach und Bingen miteinander.

Mit dem Alsenztal ist der Hof von jeher durch zwei Wege verbundne, von denen der eine durch das Rosental (entstanden aus Ratzental) am Bahnhof Cölln-Bayerfeld in die Al-senzstraße einmündet. Er hatte früher den Namen Gaufahrt. Es könnte aber vielleicht auch Ganfahrt gewesen sein. Beides läßt sich begründen. Heißt es Gaufahrt, dann ist eben unter dem Gau die Gemarkung des Weidelbacherhofes zu verstehen. Ist Ganfahrt zu lesen, dann ist damit der gemeinsame Weg nach dem Stahlberg gemeint, den die Gemeiner von Stolzenberg benützen, um in die Waldungen zu gelangen. Neuerdings ist dieser Weg gut ausgebaut worden. An demselben liegt oben ein Steinbruch, aus dem zum Bau des Reichs­tagsgebäudes Steine geliefert wurden, woraus hervorgeht, dass dieselbe besonders gut und schön sind. Jetzt ist der Bruch, wie so mancher andere in der Nordpfalz, außer Betrieb. Hier sind noch einige Flurnamen bemerkenswert. Zunächst der Bureböhl und das Bure-feld, die auf das südlich davon gelegene Bayerfeld hinweisen. Dann der Hundsstall. Ob dieser seinen Namen dem Umstande verdankt, dass hier Hunde bereit gehalten wurden für den Fall, dass die Stolzenberger Herren die Lust anwandelte, in Stahlberg dem Waid-werk obzuliegen? Unmöglich wäre es nicht. Und endlich Ditzehemm - Heim des Ditzo - Dietrich. Ein solcher kommt für die Gegend in Betracht, wie aus Otterberger Urkunden hervorgeht. Ritter Ruland von Landsburg und seine Gemahlin nämlich hatten ihren bei Dielkirchen gelegenen Hof mit allen Weinbergen, Fruchtstücken und Wiesen dem Kloster Otterberg vermacht. Ob das der Hanauerhof oder ein bei Bayerfeld gelegener war, lässt sich nicht feststellen. Da aber der Hanauerhof schon 1149 in Beziehung zu jenem Kloster gekommen war, steht zu vermuten, dass ein anderer gemeint ist. Ditzo nun, der Bruder


Textfeld: 189Ruhlands, störte trotz verhängter Exkommunikation das Kloster im Besitze dieses Gutes und wandte sich 1268 an Raugraf Konrad um Vermittelung. Dieser brachte es fertig, dass die Klosterherren dem Ditzo und seinen Erben das Gut überließen, wofür dieses jährlich zwischen der Ernte und Martini zwei Malter Weizen zu liefern hatte. Sollte Ditzo mit der Lieferung im Rückstande bleiben oder sie verweigern, dann sollte das Kloster in den Besitz des Gutes kommen, um es entweder selbst zu bebauen oder bebauen zu lassen.

Unter denen, welche diese Vereinbarung mit unterschrieben, war ein Gotzo von Morsbach, was vielleicht auf den nahe gelegenen Hof hinweist, ein Gotzo von Steingruben, das in der Nähe liegt, Ritter Herwig von Rasenheim, Priester Rudolf von Dielkirchen, Matthias der Bruder und Konrad der Sohn des Ditzo.

Ein zweiter, allerdings nicht sehr angenehmer Feldweg verbindet den Weidelbacherhof mit dem alten Ortsteil von Cölln. Vom Hof aus durchschneidet er die Flur „auf der Weidel-bach", die auf der Höhe liegt und fällt dann sehr steil auf der „Steig" ins Tal hinab, unmit­telbar neben der vom Wasser ausgespülten Höhle.

Auf welche Weise der Weidelbacherhof in den Besitz oder Genuss der Herren von Randeck kam, lässt sich urkundlich nicht feststellen. Gegen das Ende des 15. Jahrhunderts war es aber schon der Fall. Eine Tochter Rupprechts von Randeck, Margareta, wurde schon als Kind mit Friedrich von Flörsheim getraut. Nach dem Tode ihres Vaters rissen die männ­lichen Glieder der Familie die Besitzungen desselben an sich und stießen Margarete aus dem Schloss Randeck, weil sie als Tochter nicht berechtigt sei, den väterlichen Teil des­selben zu erben. Ihr Mann, Friedrich von Flörsheim, wehrte sich und erreichte, dass ihm Mannweiler, d. h. die Gefälle daselbst, die Güter zu Randeck, der Weidelbacherhof und anderes blieben.

Berthold, der Sohn Friedrichs von Flörsheim, trat in seines Vaters Rechte auch hinsichtlich des Weidelbacherhofes. Dieser geriet aber im Verlaufe des 16. Jahrhunderts in Verfall und wir hören von ihm nichts mehr bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf einem Balken, der sich früher über dem Eingang des älteren Hofhauses befand und jetzt auf dem Spei­cher aufbewahrt wird, findet sich die Inschrift: „Anno 1706 habe ich, Joh. Fried. Haas und meine Ehefrau Eleonore diesen Bau durch Zimmerleute errichten und aufschlagen lassen." Die Familie Haas scheint das ganze 18. Jahrhundert hindurch im Dienste der Herren von Reigersberg, denen Randeck im 3ojährigen Kriege von Kurpfalz übertragen worden war, gestanden zu haben. Bei den Verhandlungen über den Neubau des protestantischen Pfarr­hauses in Oberndorf 1775 ist ein Reigersberger Beamter zu Randeck mit Namen Haas ge­nannt. Die Lehensbesitzer waren auf der Burg nicht mehr selber anwesend, sondern ließen die Güter verwalten und der nahe gelegene Weidelbacherhof mit seiner schönen, frucht­baren Flur war für sie von großem Wert. Die französische Revolution machte den Rech­ten der Reigersberger auf Randeck ein Ende. Der Weidelbacherhof kam an die Gemeinde Cölln und damit wieder in das frühere Stolzenberger Amt. Jetzt besteht derselbe aus zwei Anwesen, die durch Erbteilung entstanden sind. An Wasser fehlt es auf der Hochfläche nicht, wenn es auch nicht im Überfluss vorhanden ist.

Pfälz, Museum 1917, S. 74f

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